Religion und Medien

oder: Religion in einer medialisierten Öffentlichkeit

Jeder zweite Befragte glaubt an einen einzigen Gott

Posted on | April 23, 2016 | Kommentare deaktiviert für Jeder zweite Befragte glaubt an einen einzigen Gott

Die NZZ berichtet am 22.4.2016

Breite Umfrage zur Religion in der Schweiz
Fünf Mal pro Jahr in den Gottesdienst

Jeder zweite Befragte glaubt an einen einzigen Gott und jede vierte Person an eine höhere Macht. Der Anteil der Praktizierenden ist bei den Katholiken am grössten und bei den Muslimen am kleinsten, wie eine Umfrage des Bundesamts für Statistik ergab.

Glaube und Religion sind private Angelegenheiten, Angaben dazu deshalb eher spärlich. Nun liegen dank einer Erhebung des Bundesamts für Statistik erstmals umfassende Informationen zu den religiösen und spirituellen Praktiken und Glaubensformen der Bevölkerung vor. An der 2014 durchgeführten Umfrage haben rund 16 500 Personen teilgenommen, wovon 81 Prozent Schweizer und 19 Prozent in der Schweiz wohnhafte Ausländer waren. Da es sich um eine Stichprobenerhebung handelt, liegt die Genauigkeit der Angaben bei +/- 5 Prozent.

Weiterlesen → hier.

Springen und schweben, trotz allem Grollen

Posted on | Januar 25, 2016 | Kommentare deaktiviert für Springen und schweben, trotz allem Grollen

Von einer Plakatwerbung hüpft mir eine junge Frau entgegen, und alles nur wegen eines Wassers. In Facebook begegne ich wieder springenden Menschen: im Urlaub, am Strand oder sonst wo. Und im TV lässt eine GMX-Werbung allerlei Kreaturen schweben, vom Star-Wars-Klonkrieger bis zum Fisch-Luftballon, begleitet von der Melodie „Die Gedanken sind frei“.

Dann stoße ich dieser Tage in der ZEIT auf den Artikel B.-C. Han, „Der springende Mensch“ (ZEIT 4/2016, S. 52). Er schildert – einem Gedanken W. Benjamins folgend – die Verschiebung vom Kultwert zum Ausstellungswert. Fotografien (bzw. gemalte Porträts) früherer Tage hatten die Funktion, sich erinnern zu können (Kultwert). Mit heutigen Fotografien präsentieren sich Menschen, stellen sich aus. Wer nicht gesehen wird ist nicht. Was in sich ruht ist ohne Wert. Der springende Mensch, dessen Gesicht kaum zu sehen ist, wirkt wie ein Zeigefinger, der auf ihn selbst hinweist (Ausstellungswert). Dabei verschwindet auch das Angesicht aus der Fotografie. Es wird zum face, zum ausgestellten Gesicht, „ohne jene Aura des Blicks. … Dem Blick wohnt eine Innerlichkeit … inne. So ist der Blick nicht ausstellbar.“

Davon verschieden sind aber „die Schwebenden“, die mir begegnen, beispielsweise in den drei „Die Gedanken sind frei“-GMX-Kampagnen (2005, 2013 und 2015). Da schwebt etwa eine junge Frau vor dem Spiegel, die Kamera bewegt sich langsam hinter den Rücken der Frau während m Spiegel ein anderes Gesicht zu sehen ist; die Frau vor dem Spiegel und die „Andere“ sehen sich intensiv an. Der Star-Wars-Klonkrieger, der neben einem Jungen in der S-Bahn sitzt, sieht draußen ein rothaariges Mädchen im langen Kleid schweben. Wieder sehen sie ich intensiv an während sich – auf Grund der Fahrt der S-Bahn – die Köpfe drehen und schließlich der Klonkrieger seine Hand zum Gruß hebt bis sich die beiden aus den Augen verlieren. Der Fisch-Luftballon schwebt – über einer Mauer – von links in Richtung Bildmitte, wo die Mauer endet und ein Hund erscheint. Ballon und Hund bewegen sich parallel, der eine am Boden, der andere „über ihm“, wobei offen bleibt, wer wen begleitet. Anders als bei den Springenden geht es hier nicht um die Action, die Ausstellung; es sind stille Momente, in denen mitunter intensive Blicke zu beobachten sind.
„Schwebende“ finden sich auch in den Fotoserien→ L. Lander-Deacon, Dreamer (2012) oder F. Bohbot, Levitation (2011). Bohbot lässt Menschen in Alltagssituationen über dem Boden schweben: zwei junge Männer in der Innenstadt, ein Spaziergänger am See, Personen, die „sitzend“ über einer Bank schweben. Sie alle scheinen für diesen Moment „losgelöst“, frei von dem, was sie umgibt. Und der damals erst 19-jährige L. Lander-Deacon präsentiert spektakuläre Fotos von schwebend schlafenden Menschen in unglaublichen Situationen: über einer Waldlichtung oder einer Straße. – Die Loslösung vom äußeren Geschehen ist hier thematisch, mittendrin und dennoch gelassen. Gewiss, anders als bei GMX kommt der tiefe Blick oder das „Andere“ nicht vor, wohl aber die ruhige Gelöstheit.

Ein Blick in die Motivgeschichte macht deutlich, dass das „Schweben“ ein Setting hat. Aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts stammt ein Wandfresko einer schwebenden Frauenfigur (zu sehen im Archäologischen Museum in Neapel). „Schwebende Figuren (galten) als Repräsentanten einer glücklichen mythischen Welt“; sie „sind ein charakteristisches Bildthema in der Wandmalerei des Vierten Stils. Oft sind es dionysische Paare, die sich umschlungen halten, daneben begegenen aber auch fliegende Götter wie Venus, Nymphen oder Eroten.“ Auch das Kirchenlied hat hier etwas zu bieten. Paul Gerhardt sieht sich mit dem Erlöser „endlich schweben / voller Freud ohne Zeit / dort im andern Leben“. G. Terstegen besingt Gott u.a. als die „Luft, die alles füllet, / drin wir immer schweben, / aller Dinge Grund und Leben …“. Und die Ambivalenz zwischen Wirklichkeit und der „anderen Welt“ bringt P. Gerhardt in dei Worte „O Welt, sieh hier dein Leben / am Stamm des Kreuzes schweben, / dein Heil sinkt in den Tod!“

Die Schwebenden unterscheiden sich von den Springenden. Letztere sind in Action, stellen sich aus, haben aber nur einen flüchtigen Moment. Dagegen „ruhen“ erstere, haben etwas von Dauer, sind mitten im Geschehen, aber doch befreit. Warum wohl beide Motive heute vermehrt auftreten, in einer Zeit, die viele als beunruhigend erleben? Sind es eventuell auch zwei Umgangsweisen mit diesem Heute: einerseits die Action, die alles vergessen machen will und andererseits eine irrationale Gelassenheit in aller Besorgnis, welche die nötige Distanz zum Geschehen hat und allen Sorgen und Ängsten zum Trotz noch ihre Ruhe findet? Oder ist letzteres Ausdruck einer Sehnsucht, eben diese finden zu dürfen?

 

 

Vergib uns unsere Schuld

Posted on | Januar 22, 2016 | Kommentare deaktiviert für Vergib uns unsere Schuld

Am letzten Sonntag war ein unheimlich dichter Polizeiruf zu sehen. Ein wegen Mordes an einer jungen Frau zu lebenslanger Haft verurteilter junger Mann begeht Selbstmord, nachdem er Übegriffen von Mithäftlingen ausgesetzt war. Er legt Heintje ein und erhängt sich. Die Nachricht lässt von Meuffels, den Leiter der damaligen Ermittlungen, nicht kalt. Kurz darauf taucht ein älterer Mann namens Baumann auf, der behauptet, er sei der wirkliche Mörder. Von Meuffels weist ihn ab, doch der lässt nicht locker und bietet Details der Tat, die niemand wissen kann. Von Meuffels stöbert in den alten Unterlagen und ahnt allmählich, dass er Fehler begangen hat. Immer deutlicher wird, dass Baumann recht hat.

In einer Szene stehen von Meuffels und Baumann an einer Imbissbude und Baumann beginnt zu theologisieren: „Wussten Sie, dass Martin Luther der Ansicht war, der Mensch sei überhaupt nicht in der Lage, eine vollkommene, alle Sünden umfassende Reue zu empfinden? … Und warum? Weil der Mensch überhaupt nur einen Teil seiner Sünden erkennen kann. Ist interessant, nicht war? … Ich glaube nicht, dass Luther Recht hat. Jeder Mensch weiß doch, was er getan hat. Die Menschen wissen um ihre Schuld. Ich jedenfalls weiß um meine. Sich seine eigene Schuld einzugestehen, ist der erste Schritt zur Vergebung. Stimmt doch, oder?“ In einer weiteren Szene fordert Baumann eindringlich seine Strafe. Als von Meuffels die Tragweite seiner Ermittlungsfehler erkennt, geht er zur Mutter des damals Veurteilten. Ihm tue das alles so unendlich leid, sagt er und im Hintergrund läuft wieder Heintje. Die Mutter steht nur auf, schaut ihn schweigend und eindringlich an. Von Meuffels verlässt das Haus, stürzt sich in die Felder und übergibt sich.

Und als man in einer Rückblende sieht, wie der tatsächliche Mörder die Leiche des Mädchens ins Auto hieft, in den Wald fährt, um sie dort zu vergraben, läuft im Hintergrund Child in time von Deep Purple; zuerst der legendäre Elektronikorgelsound, dann die Liedzeilen: „Sweet child in time / you’ll see the line / the line that’s drawn between / good and bad. // See the blind man / shooting at the world / bullets flying / ohh taking toll. // If you’ve been bad / oh Lord I bet you have / and you’ve not been hit / oh by flying lead; // you’d better close your eyes / oohhhh bow your head / wait for the ricochet.“ Am Schluss bricht von Meuffels weinend über dem Lenkrad seines Wagens zusammen.

Selten einen derart intensiven deutschen Krimi gesehen!

Marken als Religion

Posted on | Dezember 16, 2014 | Kommentare deaktiviert für Marken als Religion

Die Idee ist nicht neu, aber doch noch einmal wert, in Erinnerung gebracht zu werden: „Fanatische Markenfans glauben an ihre Produkte und verehren ihre Designer. Forscher zeigen: Vielen gibt ein Markenprodukt den gleichen Halt im Leben wie die Religion den Gläubigen“ So war 2011 im Handelsblatt zu lesen (siehe → H. C. MüllerDas Apple-unser. Marken als Religion [Handelsblatt, 25. Juni 2011]).

M. Lindstrom, der dänische Markenberater, identifizierte als Grundpfeiler der großen Weltreligionen u.a. „Symbole, Geheimnisse, eine Vision, tradierte Geschichten, durchaus auch klar umrissene Gegner und Rituale, aber auch die Kultivierung einer eingeschworenen Gemeinschaft.“ (zit nach → M. U. Martin/T. Tuma, Weltreligion Shoppen [SPIEGEL, 13.12.2010]). Es sind eben diese Punkte, “ ‚die dem Kern einer Konsummarke extrem ähnlich sind‘, sagt Lindstrom. Große Marken pflegen ihre Gründermythen wie ihre Geheimnisse. Man denke nur an das Ur-Rezept von Coca-Cola oder die Hinterhoffirmen-Gründerlegenden von Microsoft & Co. Ihre Symbole verheißen ganze Welten: die Muschel von Shell wie der Apfel von Apple oder Googles bunte Buchstaben. Der Flagship-Store von Prada in New York ist weniger Geschäft als Sakralbau, der Mode zudem wie Reliquien präsentiert. Und je stärker eine Marke, umso intensiver aktiviert sie laut Lindstrom dann im Kopf seiner Probanden auch jene Areale, die beim Anblick religiöser Bilder stimuliert wurden.“ (zit → M. U. Martin/T. Tuma, s.o.)

Weitere Artikel (neben den zwei bereits genannten) z.B.: → C. Fröhlich, Apple ruft religiöse Gefühle hervor(STERN, 20. Mai 2011); → A. Strebinger, Gott, Mammon, Marke – Marken als Opium für die nicht-religiösen Massen? (03/2001); Interview mit → A. Behlert, „Die Marke als Substitut für Religion“ (business-on, 24. März 2014)

Wenn Politiker predigen

Posted on | Juli 28, 2014 | No Comments

Hin und wieder treten Politiker auf die Kanzel und predigen. Dies tat dieser Tage auch der ehemalige Bundeskanzler G. Schröder in Hannover. Dabei bedachte er u.a. auch die Bundeswehreinsätze im Kosovo und Afghanistan, stellte die Frage „Habe ich Schuld auf mich geladen?“ und gab dazu auch gleich die Antwort „Ja, natürlich. Es sind Menschen gestorben. Es wurden Menschen verletzt.“ (→ Artikel [BILD 28.7.14]) Über seine kumpelhafte Beziehung zu Wladimir Putin verliert er allerdings kein Wort. Das mutet etwas eigenartig an, wo er doch im Blick auf den Predigttext aus Jesaja 43, 1-4 hervorhebt, dass der Prophet „die Missstände seiner Zeit anprangerte und die Herrschenden zur Umkehr aufforderte“ und dies in einer Sprache tue, die „so kraftvoll und eindeutig (sei), wie man sie sich heute gerade auch in der Politik wünschen würde.“

Arne Friedrich

Posted on | Februar 19, 2013 | No Comments

Der ehemalige Nationalspieler Arne Friedrich, der jetzt in Chicago kickt, hat sich hie und da schon zum Glauben geäußert. Nun bekennt er in der jüngsten Ausgabe der ZEIT: „Ich möchte lieber ohne Fußball leben als ohne meinen Glauben“. Oha. Und er fährt fort: „Ich habe durch den Glauben einen Anker im Leben, der mir Ruhe gibt, … Dafür bin ich sehr dankbar. Obwohl ich weit davon entfernt bin, ein Superchrist zu sein.“

Wer das ganze Interview lesen will, kann das → hier.

Und wieder „Silbermond“!

Posted on | November 28, 2012 | No Comments

Silbermond schafft es immer wieder, geniale Songs zu produzieren: Gänsehaut und sinnige Lyrics. So wieder beim jüngsten Hit „Ja“ (siehe den Clip bei → youtube).

Eine Kostprobe? „Du wärmst mich auf mit deinem Wesen /und lässt nicht einen Zentimeter unverschont. / Du flutest alle meine Decks mit Hoffnung /auf ein echtes Leben vor dem Tod.“ „Es ist noch immer so schwer zu glauben / wie du die meisten meiner Fehler übersiehst. / Du erdest jeden meiner Gedanken / verleihst Flügel, wenn Zweifel überwiegt.“

Die Worte klingen nach, wecken Assoziationen, etwa zu Paulus‘ Gedankenfigur in 2Kor 1,19f.: In Jesus Christus spricht Gott ein uneingeschränktes „Ja“ zum Menschen. „Es ist noch immer so schwer zu glauben / wie du die meisten meiner Fehler übersiehst“ ist Evangelium in Kurzform und die Zeile „Denn ich bin und bleib verlor’n in deiner Mitte“ hat ein Hauch von Mystik.

Ist der ein Tor, der in diesen Worten Evangelium vernimmt?

Das Kreuz in Spielfilmen

Posted on | Oktober 24, 2012 | No Comments

Das Kreuz in Videoclips

Posted on | Oktober 24, 2012 | No Comments

Einige Beispiele:

Texte dazu:

Das Kreuz in der Printwerbung

Posted on | Oktober 23, 2012 | No Comments

 

 

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