Religion und Medien

oder: Religion in einer medialisierten Öffentlichkeit

Titanic macht Panik

Posted on | Juli 11, 2012 | No Comments

„Titanic“ sieht sich als Satiremagazin. Im Fokus steht häufiger die Katholische Kirche, so etwa im April 2010 als auf dem Cover ein Geistlicher vor einem Kruzifix abgebildet war, den Kopf auf Höhe der Lenden des Gekreuzigten, der die Augen verdreht … (siehe → hier). Angesichts der Missbrauchsfälle lag auf der Hand, was der Betrachter zu assoziieren hatte, auch wenn der „Titanic“-Chef Leo Fischer gekonnt und wohl überlegt abwiegelt: „Wir von Titanic sehen hier einen Priester, der sich hingebungsvoll einem Kruzifix zuwendet – vielleicht in demütiger Anbetung, vielleicht poliert und entstaubt er das heilige Utensil sogar, zum Wohlgefallen des Heilands“. Gleichwohl kam es damals zu einem Proteststurm:  Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt u.a. wegen Volksverhetzung, rund 200 Beschwerden beim Deutschen Presserat und eine heftige Diskussion auf sämtlichen medialen Kanälen. (Vgl. nur → dpa, Beschwerdewelle gegen „Titanic“-Titel [FOCUS, 09.04.2010]; → Hessenschau; → N.N., Presserat weist Klagen wegen „Titanic“-Cover zurück [FTD, 28.05.2010]).

Jetzt kommt die Neuauflage. Die aktuelle Titanic-Ausgabe zeigt „unter dem Titel ‚Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!‘ … den grüßenden Papst mit einem gelben Fleck auf Schritthöhe seines weißen Gewands. Auf der Rückseite des Magazins ist auf Gesäßhöhe der Soutane ein brauner Fleck zu sehen, dazu die Zeile: ‚Noch eine undichte Stelle gefunden!'“ (zit. → S. Pohlmann, Papst Benedikt geht gegen die „Titanic“ vor [Tagesspiegel, 11.07.2012]). Papst Benedikt XVI erwirkte per einstweiliger Verfügung vom Hamburger Landgericht, dass das Magazin nicht vertrieben werden kann. Natürlich wiegelt der Titanic-Chef wieder geschickt ab: „Der aktuelle Titel zeige einen Papst, der nach Aufklärung der Spitzelaffäre Vatileaks feiert und im Überschwang ‚ein Glas Limonade‘ über seine Soutane verschüttet habe. Die braunen Flecken seien Spuren einer Schokoladentorte, die dem Papst überreicht worden sei und auf die er sich versehentlich gesetzt habe. ‚Wir zeigen den Papst also von einer sehr menschlichen Seite‘, sagte Fischer.“ (zit. S. Pohlmann, s.o.).“

Was sagen? Meinungsfreiheit? Pressefreiheit? Freiheit der Kunst? „Nur“ Satire? Oder aber: Persönlichkeitsrecht? Schutz „religiöser Gefühle“? Volksverhetzung? – Der Streit wird wieder bis zu bitteren Neige geführt werden. Die Titanic kann sich über eine hervorragende Publicity freuen. Und wieder einmal ist festzustellen, dass hier verschiedene Grundrechte der modernen Welt konfligieren.

Deplatziert sind jedenfalls die Konstruktionen der beiden satirischen Cover ebenso wie die Mohammedkarikaturen, die für so viel Aufregung sorgten! Der Gekreuzigte hat mit den Missbrauchsfällen nichts zu tun, der aktuelle Papst ist nicht verantwortlich für Vatileaks und Mohammed hat die Bombenleger nicht beauftragt. Das ist auch unter dem Stichwort „Satire“ nicht unterzubringen. Hier spielen wohl andere Interessen eine Rolle, die Gefallen am“Zündeln“ zu haben scheinen.

(Insgesamt  wird zu der Thematik fleißig gebloggt; eine knappe Zusammenstellung bietet → BILD.)

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