Religion und Medien

oder: Religion in einer medialisierten Öffentlichkeit

Vergib uns unsere Schuld

Posted on | Januar 22, 2016 | Kommentare deaktiviert für Vergib uns unsere Schuld

Am letzten Sonntag war ein unheimlich dichter Polizeiruf zu sehen. Ein wegen Mordes an einer jungen Frau zu lebenslanger Haft verurteilter junger Mann begeht Selbstmord, nachdem er Übegriffen von Mithäftlingen ausgesetzt war. Er legt Heintje ein und erhängt sich. Die Nachricht lässt von Meuffels, den Leiter der damaligen Ermittlungen, nicht kalt. Kurz darauf taucht ein älterer Mann namens Baumann auf, der behauptet, er sei der wirkliche Mörder. Von Meuffels weist ihn ab, doch der lässt nicht locker und bietet Details der Tat, die niemand wissen kann. Von Meuffels stöbert in den alten Unterlagen und ahnt allmählich, dass er Fehler begangen hat. Immer deutlicher wird, dass Baumann recht hat.

In einer Szene stehen von Meuffels und Baumann an einer Imbissbude und Baumann beginnt zu theologisieren: „Wussten Sie, dass Martin Luther der Ansicht war, der Mensch sei überhaupt nicht in der Lage, eine vollkommene, alle Sünden umfassende Reue zu empfinden? … Und warum? Weil der Mensch überhaupt nur einen Teil seiner Sünden erkennen kann. Ist interessant, nicht war? … Ich glaube nicht, dass Luther Recht hat. Jeder Mensch weiß doch, was er getan hat. Die Menschen wissen um ihre Schuld. Ich jedenfalls weiß um meine. Sich seine eigene Schuld einzugestehen, ist der erste Schritt zur Vergebung. Stimmt doch, oder?“ In einer weiteren Szene fordert Baumann eindringlich seine Strafe. Als von Meuffels die Tragweite seiner Ermittlungsfehler erkennt, geht er zur Mutter des damals Veurteilten. Ihm tue das alles so unendlich leid, sagt er und im Hintergrund läuft wieder Heintje. Die Mutter steht nur auf, schaut ihn schweigend und eindringlich an. Von Meuffels verlässt das Haus, stürzt sich in die Felder und übergibt sich.

Und als man in einer Rückblende sieht, wie der tatsächliche Mörder die Leiche des Mädchens ins Auto hieft, in den Wald fährt, um sie dort zu vergraben, läuft im Hintergrund Child in time von Deep Purple; zuerst der legendäre Elektronikorgelsound, dann die Liedzeilen: „Sweet child in time / you’ll see the line / the line that’s drawn between / good and bad. // See the blind man / shooting at the world / bullets flying / ohh taking toll. // If you’ve been bad / oh Lord I bet you have / and you’ve not been hit / oh by flying lead; // you’d better close your eyes / oohhhh bow your head / wait for the ricochet.“ Am Schluss bricht von Meuffels weinend über dem Lenkrad seines Wagens zusammen.

Selten einen derart intensiven deutschen Krimi gesehen!

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