Religion und Medien

oder: Religion in einer medialisierten Öffentlichkeit

Das Kreuz in Shows

Posted on | Oktober 22, 2012 | No Comments

Das Kreuz und die Selbstinszenierung

Posted on | Oktober 21, 2012 | No Comments

Das Kreuz in den Nachrichten

Posted on | Oktober 20, 2012 | No Comments

K. Knightley vor dem Weltuntergang

Posted on | September 25, 2012 | No Comments

Diese Nachricht schlägt ein: In drei Wochen geht die Welt unter. Die Reaktionen rangieren von Suizid bis zum Ausleben der letzten Phantasien. Dodge, ein langweiliger Pullunderträger (S. Carell) wird prompt von seiner Frau verlassen. Stattdessen findet er eine junge verzweifelte Frau vor seinem Haus, die den letzten Flug zu ihren Eltern verpasst hat. Die beiden brechen miteinander auf – und die Zuschauer beobachten sie (und andere Personen im Film) bei ihrem Umgang mit dem bevorstehenden Ende der Welt.

Der Film: „Seeking a Friend for the End of the World“; der → Trailer.

(Zum Nachlesen: → L. Goldmann, Apokalyptische Komödie. Keine Panik, ist nur ein Weltuntergang [Spiegel,  20.09.2012 ]; →  A. O. ScottApocalypse? Road Trip! Steve Carell in ‘Seeking a Friend for the End of the World’ [NYT, 21.06.2012]; → P. Uehling, Neuer Film mit Keira Knightley: Die Welt geht unter – und nun? [Berliner Zeitung, 20.09.2012])

A N G E L*A

Posted on | September 22, 2012 | No Comments

Ein Engel im Film? Das gab’s schon öfters. Der hier ist aber wirklich speziell.

Der Loser und Kleinkriminelle André bekommt himmlischen Beistand: langbeinig, blond, schlagkräftig, … Ihr Name ist Angela. Und sie paukt André wirklich raus, auch innerlich, bis er beginnt, sich selbst zu lieben. Und am Ende kommt’s, wie man’s erhofft: die Flügel fallen ab.

Ein kleiner Eindruck gibt der → Trailer.

Ausführlicheres findet sich unter → Kino-Zeit.

Biblisches Theater und das Tagesgeschehen

Posted on | September 18, 2012 | No Comments

Lang ist’s her seit biblische Stoffe im Theater inszeniert wurden. Jetzt kommt aber gleich eine geballte Ladung: In Zürich wird die „Genesis“ aufgeführt, demnächst in München und Basel „Mose“. In Zürich hat man dafür 40 Tonnen Lehm im Schauspielhaus aufgetürmt und bietet in rund 5 Stunden mit einer spärlichen personellen Besetzung das gesamte 1. Buch Mose dar, von der Schöpfung bis zum Ende der Josefsgeschichte. Gott mutiert dabei von einer allzu menschlichen Gestalt, die bisweilen auch dem Jähzorn unterliegt, zu einem jenseitigen Wesen, das die Welt mehr oder weniger sich selbst überlässt, um seine Ruhe zu finden. (Vgl. dazu etwa → M. Halter, Und Gott muss sehen, dass es Theater sein soll [FAZ, 17.09.2012] oder das Interview → Rausch und Ekstase im Theater mit dem Zürcher Intendaten S. Bachmann [Kölner Stadtanzeiger, 16.09.2012]).

Beworben wird das Zürcher Stück mit den Worten: „Kein anderer Text hat eine größere und längere Wirkung entfaltet als das erste Buch Mose. Drei Weltreligionen bekennen sich zu ihm: Judentum, Islam und die Christenheit.“ (zit. nach der → Website des Schauspielhauses). Angesichts dieser Sätze schlägt → T. Rothschild, Josef und die glorreichen Sieben (Nachtkritik, 14.09.2012) einen Bogen zu aktuellen Übergriffen, etwa als neulich ein Wiener Rabbi auf offener Straße antisemitisch beschimpft wurde während einige Polizeibeamte tatenlos zusahen (vgl. etwa → A. Weiss, Rabbiner wurde wüst beschimpft und die Polizei sah dabei zu [Wiener Zeitung, 31.08.2012]). Dieser Querverrweis ließe sich beliebig ergänzen, etwa durch den unlängst in Berlin stattgefundenen Übergriff auf einen Rabbiner, aber ebenso durch Attacken auf muslimische Mitbürger oder – vice versa – die Attacken muslimischer Menschen auf westliche Botschaften … und so fort.

Nun könnte man meinen, T. Rothschild würde mit seinem Brückenschlag auf den Gedanken zusteuern, die Inszenierung gemeinsamer Wurzeln könnte zur Annäherung beitragen. Aber nein. Gerade diesen Gedanken problematisiert er: (a) „Bedarf es solcher Begründungen, bedarf es der Bibel, um einzufordern, was zu den selbstverständlichen Grundlagen einer Zivilisation gehört, die diesen Namen verdient? Sind Juden und Muslime nur schützenswert, wenn und weil sie mit den Christen ‚gemeinsame Wurzeln‘ haben?“ (b) „Vielleicht ist das Zusammentreffen der Spielpläne mit den Ereignissen auf der Straße nur ein Zufall. Wenn man aber daran glaubt, dass Kunst, also auch Theater, auf gesellschaftliche Zustände reagiert, ist das neue Interesse an der Bibel eher beunruhigend. Es verweist auf eine Wirklichkeit, der mit Theater vielleicht doch nicht beizukommen ist.“

Gewiss hat eine Zivilisation Prinzipien, die gerade nicht auf religiösen Verwandschaften beruhen, sondern in der Würde des Menschen an sich gründen. Aber wie fragil die Verankerung dieser Begründungen in menschlichen Hirnen ist, wird doch an den genannten Vorfällen deutlich. Um hier weiter zu kommen, ist doch jeglicher Support zu begrüßen, und wenn es die Inszenierung der gemeinsamen Wurzeln im Theater ist. Und schließlich gilt gewisslich der Satz, dass es keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden geben kann. Also, liebe Zürcher, macht weiter so!

Religion im Kino

Posted on | September 9, 2012 | No Comments

Eigenartig, diese Friktionen: Religion ist Prügelknabe der einen und Attraktion der anderen, und zwar nicht nur für so genannte Fundamentalisten. Durchaus nicht. In diesem Jahr kamen die cineastischen Neuigkeiten kaum ohne Religion aus.

Cannes zum Besipiel! Dazu hatte→ C. Martig, Religion präsent in Cannes (medien tipp, 29.05.2012) das Nötige zusammengefasst.

Und jetzt Venedig! „Thematisch fand man sich am Lido 2012 häufig auf einer Art Tempel-, Moscheen-, Synagogen- und Kirchentag: Mira Nair und Brillante Mendoza führten muslimische Hochzeiten und Begräbnisse vor, Kim Ki-Duk mischte Buddhistisches mit Christlichem, Ulrich Seidl konfrontierte Islam und Katholizismus, Mario Bellocchio nahm klerikale Positionen zur Sterbehilfe aufs Korn, Rama Burshtein gab jüdisch Orthodoxes zum Besten, bei Daniele Ciprì wurde ein Auto gesegnet, und Paul Thomas Anderson kratzte am Lack von Scientology. Was war da los? Wer hat das Filmfest getauft, geweiht, beschnitten?“, fragt → D. Dath, Filmfestspiele Venedig . Wer‘s sieht, wird gläubig (FAZ, 09.09.2012).

(Weiterlesen bei → T. Kniebe, Filmfest Venedig 2012. Reif für die Sühne [SZ, 09.09.2012] u.a.)

U. Seidl, „Paradies: Glaube“?

Posted on | September 1, 2012 | No Comments

U. Seidl ist ein Filmemacher ganz eigener Art. Der Wiener schafft es mit seinen Werken einen Blick in versteckte Winkel und menschliche Abgrüne zu werfen. Er bringt menschliches Verhalten auf die Leinwand, das bisweilen urkomisch häufig aber zutiefst verstörend wirkt.

„Hundstage“ etwa – ein Film, der sechs Episoden aus Wiener Vorstädten inszeniert – bietet ein „Abbild kleinbürgerlicher (österreichischer) Verhältnisse in einer durch Tristesse, Hilflosigkeit, Sprachlosigkeit und Verzweiflung gekennzeichneten Umgebung. … Seidl zeigt Menschen, ‚wie sie sind‘, nicht übertüncht, ‚gestaltet‘, sondern in ihrer ganzen Blöße und Aggression, in ihren nicht latenten, sondern ganz offen vorgetragenen und ausgespielten Bedürfnissen, wie immer sie aussehen mögen – behaupten Seidl und einige Kritiker. Der Film könnte in dieser Weise oder ähnlich, so Seidl selbst, auch in anderen Vorstädten anderer Länder Europas oder in den USA spielen.“ (zit. → U. Behrens, Hundstage)

Bei seinen Streifzügen nimmt er auch das Religiöse in den Blick. 2003 kam sein Dokumentarfilm „Jesus, du weißt“: vor laufender Kirche sprechen Menschen – in einer Kirche angesichts eines Kruzifixes ihre Gebete. Alles liegt offen zutage: Gesichter, Mimik, Gestik, die in Worte gefassten Gedanken bzw. Sorgen sowie die darin ausgedrückten Selbsteinschätzungen. Einen kleinen Einblick bieten die bei  → youtube zu sehenden Szenen. (Siehe z.B. auch → G. Seeßlen, Jesus, du weißt, → M. Heine, Öffentliche Beichten: „Jesus, du weißt“).

Nun hat U. Seidl in Venedig eine weitere Religionsstudie vorgestellt: „Paradies: Glaube“. Er untersucht, „was es genau bedeutet, das Kreuz auf sich zu nehmen. Für Anna Maria, Röntgenassistentin und Schwester von Teresa, liegt das Paradies … bei Jesus. Ihm weiht sie all ihr Tun und Sein. Ihren Urlaub verbringt sie damit, mit 40 cm großen Wandermuttergottes-Statuen missionierend von Haus zu Haus zu gehen. Als eines Tages ihr Ehemann, ein Ägypter und Moslem, nach Jahren der Abwesenheit aus Ägypten zurückkommt, beginnt ein Kleinkrieg um Ehe und Religion. Es wird gesungen, gebetet und gekämpft.“ (zit. → U. Seidls Website). Wieder reihen sich verstörende Szenen aneinander: wie sich Anna mit nacktem Oberkörper vor einem Kruzifix kniend selbts kasteit (um Jesus wirklich alles zu geben), die Reaktionen der Menschen auf Annas Missionierungsversuche, die Kämpfe mit dem plötzlich heimgekehrten muslimischen Ehemann, wie er das Kreuz von der Wand stößt und die Auseinandersetzungen eskalieren … Der → Trailer gibt bereits einen guten Einblick.

Reaktionen? Natürlich werden sie gespalten sein, denn U. Seidls Filme bieten immer Gesprächsstoff. Der Religionskritiker wird sich freuen, die katholische Kirche wohl kaum. Meine Reaktion? Zwiespältig. Einerseits sind U. Seidls Milieustudien ungeheuer eidnrücklich und visualisieren Verhaltensmuster und -strukturen auf, die gesellschaftliche Segmente prägen. Eben darum stolpere ich über Zuspitzungen, die nicht den Anspruch auf eine breitere Allgemeinheit erheben können, etwa wenn Anna das Kruzifix unter die Bettdecke nimmt und anscheinend masturbiert (vgl. auch den Priesteranwärter im Film „Vaya con Dios“, der der Madonna den großen Zeh lutscht). Wie wahrscheinlich ist das? In diesen (und anderen) Momenten gefährdet Sedl m.E. den Wert seiner Arbeit, da hier eine billge Effekthascherei naheliegt und lediglich an gängige Kirchenkritik andockt, um die Lacher auf seine Seite zu bringen. Nun denn.

Madonna, schon wieder

Posted on | Juli 21, 2012 | No Comments

Ach Madonna, was soll einem dazu noch einfallen? Seit Jahren „benutzt“ du das Kreuz in deinen Trailern und Bühnenshows, und jetzt erneut: du sitzt auf einem Sofa, streckst eine Knarre in die Luft, ein maskierter Mann liegt dir zu Füßen und hinter dir hängt das Kreuz an der Wand (siehe z.B. → hier). Zeitweise dachte ich ja, bei deinen Inszenierungen des Kreuzes könnte etwas Bedeutungsvolles intendiert sein, etwa bei deiner Confessions Tour. Aber so allmählich wird dein immer gleicher Mix an Requisiten doch ziemlich langweilig. Dass sich darüber noch jemand aufregt (etwa jetzt wieder im katholischen Polen [siehe z.B. → U. Krökel, Katholische Jugend will Madonna-Konzert verhindern]) ist freilich umso weniger zu verstehen. Aber klar: So lange du dich damit ins Gespräch bringen kannst, magst du ja durchaus zufrieden sein.

Titanic macht Panik

Posted on | Juli 11, 2012 | No Comments

„Titanic“ sieht sich als Satiremagazin. Im Fokus steht häufiger die Katholische Kirche, so etwa im April 2010 als auf dem Cover ein Geistlicher vor einem Kruzifix abgebildet war, den Kopf auf Höhe der Lenden des Gekreuzigten, der die Augen verdreht … (siehe → hier). Angesichts der Missbrauchsfälle lag auf der Hand, was der Betrachter zu assoziieren hatte, auch wenn der „Titanic“-Chef Leo Fischer gekonnt und wohl überlegt abwiegelt: „Wir von Titanic sehen hier einen Priester, der sich hingebungsvoll einem Kruzifix zuwendet – vielleicht in demütiger Anbetung, vielleicht poliert und entstaubt er das heilige Utensil sogar, zum Wohlgefallen des Heilands“. Gleichwohl kam es damals zu einem Proteststurm:  Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt u.a. wegen Volksverhetzung, rund 200 Beschwerden beim Deutschen Presserat und eine heftige Diskussion auf sämtlichen medialen Kanälen. (Vgl. nur → dpa, Beschwerdewelle gegen „Titanic“-Titel [FOCUS, 09.04.2010]; → Hessenschau; → N.N., Presserat weist Klagen wegen „Titanic“-Cover zurück [FTD, 28.05.2010]).

Jetzt kommt die Neuauflage. Die aktuelle Titanic-Ausgabe zeigt „unter dem Titel ‚Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!‘ … den grüßenden Papst mit einem gelben Fleck auf Schritthöhe seines weißen Gewands. Auf der Rückseite des Magazins ist auf Gesäßhöhe der Soutane ein brauner Fleck zu sehen, dazu die Zeile: ‚Noch eine undichte Stelle gefunden!'“ (zit. → S. Pohlmann, Papst Benedikt geht gegen die „Titanic“ vor [Tagesspiegel, 11.07.2012]). Papst Benedikt XVI erwirkte per einstweiliger Verfügung vom Hamburger Landgericht, dass das Magazin nicht vertrieben werden kann. Natürlich wiegelt der Titanic-Chef wieder geschickt ab: „Der aktuelle Titel zeige einen Papst, der nach Aufklärung der Spitzelaffäre Vatileaks feiert und im Überschwang ‚ein Glas Limonade‘ über seine Soutane verschüttet habe. Die braunen Flecken seien Spuren einer Schokoladentorte, die dem Papst überreicht worden sei und auf die er sich versehentlich gesetzt habe. ‚Wir zeigen den Papst also von einer sehr menschlichen Seite‘, sagte Fischer.“ (zit. S. Pohlmann, s.o.).“

Was sagen? Meinungsfreiheit? Pressefreiheit? Freiheit der Kunst? „Nur“ Satire? Oder aber: Persönlichkeitsrecht? Schutz „religiöser Gefühle“? Volksverhetzung? – Der Streit wird wieder bis zu bitteren Neige geführt werden. Die Titanic kann sich über eine hervorragende Publicity freuen. Und wieder einmal ist festzustellen, dass hier verschiedene Grundrechte der modernen Welt konfligieren.

Deplatziert sind jedenfalls die Konstruktionen der beiden satirischen Cover ebenso wie die Mohammedkarikaturen, die für so viel Aufregung sorgten! Der Gekreuzigte hat mit den Missbrauchsfällen nichts zu tun, der aktuelle Papst ist nicht verantwortlich für Vatileaks und Mohammed hat die Bombenleger nicht beauftragt. Das ist auch unter dem Stichwort „Satire“ nicht unterzubringen. Hier spielen wohl andere Interessen eine Rolle, die Gefallen am“Zündeln“ zu haben scheinen.

(Insgesamt  wird zu der Thematik fleißig gebloggt; eine knappe Zusammenstellung bietet → BILD.)

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